Wann lohnt sich ein Verkehrsrechtsanwalt?

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, weshalb bei Verkehrsdelikten das Einschalten eines Rechtsanwalts sinnvoll und ratsam ist. Im Gegensatz zu ungebetenen Unfallhelfern, Versicherungen und Reparaturdiensten ist ein Anwalt der einzige staatlich legitimierte Fachmann für die rechtliche Beratung und Vertretung von Personen, die an einem Unfall beteiligt waren oder sind.

Die Lösung der mit einem Unfall in Zusammenhang stehenden Probleme sowie die Regulierung von Unfallschäden ist eine komplizierte Materie, die nur schwer zu überschauen ist. Gerade bei der Regulierung von Schäden müssen oft nicht nur die konkreten Umstände des Einzelfalles berücksichtigt werden, sondern zusätzlich spezielle und meist sehr umfangreiche gesetzliche Bestimmungen und die jeweilige Rechtsprechung zu einzelnen Teilfragen. Diesen komplexen Bereich kann letzten Endes lediglich ein Rechtsanwalt im gesamten Umfang inklusive der möglichen Folgen überblicken.

Es ist auch nicht wirklich nachvollziehbar, weshalb man nicht zu einem Spezialisten wie einem Verkehrsrechtsanwalt gehen sollte. Schließlich geht ja auch jeder bei Schmerzen oder Verletzungen sofort zu einem Arzt und therapiert sich nicht selbst. Meist ist es sogar empfehlenswert, einen Facharzt aufzusuchen, der sich mit einem speziellen Leiden besonders gut auskennt. Ähnlich verhält es sich mit Anwälten und Fachanwälten. Es empfiehlt sich nach einem Verkehrsunfall deshalb auch unbedingt, einen Anwalt aufzusuchen, der sich auf Verkehrsrecht spezialisiert hat. Er kann nicht nur kompetent die Haftungsfrage beurteilen, er weiß auch, welche Ansprüche dem Geschädigten zustehen und wie er diese einer Versicherung gegenüber durchsetzen kann.

Immer wieder kümmern sich Personen, die beruflich mit Verkehrsunfällen zu tun haben wie Versicherungen, Unfallhelfer oder Kfz-Werkstätten in der Praxis auch um die rechtliche Abwicklung von Unfallfolgen. Dazu sind sie nicht berechtigt, es verstößt sogar gegen das Gesetz, dennoch wird es überall und regelmäßig praktiziert.

Ein Fachanwalt bringt finanzielle Vorteile und behält den Gesamtüberblick

In der Regel bringt das Einschalten eines Rechtsanwaltes finanzielle Vorteile. Er bietet eine objektive Beratung und sorgt dafür, dass Sie keine Ansprüche verschenken. Auch wenn Sie Ihre eigene Lage als hoffnungslos bewerten oder die Versicherung der Ansicht ist, dass es sich um einen eindeutigen Fall handelt, ist meist nur Ihr Rechtsanwalt in der Lage, die Aussichten realistisch einzuschätzen.

Häufig versuchen unseriöse Versicherungsgesellschaften, Forderungen von Geschädigten durch eine sogenannte Mithaftungsquote zu reduzieren. Gegen diese für den Geschädigten ungünstige Mithaftungsquote kann ein Anwalt, falls notwendig, vorgehen, und nicht nur das. Unfallgeschädigte erzielen, sofern sie anwaltlich vertreten werden, regelmäßig einen wesentlich höheren Schadensersatz im Vergleich zu Geschädigten, die sich als Einzelkämpfer profilieren wollen. Meist liegt es daran, dass aus Unkenntnis bestehende Ansprüche nicht geltend gemacht oder durch leichtsinnige Erklärungen Fehler gemacht werden.

Durch die wesentlich besseren Ergebnisse machen sich natürlich die Kosten für einen beauftragten Rechtsanwalt schnell bezahlt. Ohnehin sind Unfallgegner, die einen Unfall vollkommen allein verschuldet haben, dazu verpflichtet, auch die Rechtsanwaltskosten des Geschädigten zu zahlen.

Nur ein Rechtsanwalt hat die Möglichkeiten sowie die Sachkenntnis, sämtliche Punkte und den Überblick zu behalten. Wer in einen Unfall verwickelt ist, muss meist an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen. Da muss man sich um den Unfallgegner kümmern, den Halter des gegnerischen Fahrzeugs beachten, der nicht unbedingt mit dem Unfallgegner identisch sein muss. Die Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters sucht womöglich ebenfalls Streit, hinzu kommt die eigene Kasko- und Haftpflichtversicherung, womöglich noch der Halter des von Ihnen gefahrenen Fahrzeugs, verletzte Beteiligte sowie die zuständigen Sozialversicherungsträger usw. usw. Und alle verfolgen sie auf verschiedensten Wegen ihre eigenen Interessen. Diese Fronten alle gleichzeitig im Blick zu behalten und dabei zu wissen, was zu tun ist, das kann nur ein Rechtsanwalt. Gegen jeden Beteiligten die richtige Strategie zu wählen, ohne sich in Widersprüche zu verwickeln, gehört sicherlich zu den komplizierteren Abläufen nach einem Unfall.

Es beginnt damit, dass man zum Unfallhergang der Polizei gegenüber nichts – aber auch rein gar nichts – sagen sollte! Es ist vollkommen unerheblich, was Sie der Polizei gegenüber am Unfallort oder später an Angaben machen und ob Sie den Unfall schuldhaft verursacht haben oder nicht, Sie reden sich um Kopf und Kragen!

Seien Sie schweigsam wie eine Auster

Es macht keinen Unterschied, ob es sich um eine Geschwindigkeitsüberschreitung oder einen bewaffneten Raubüberfall handelt, die wichtigste Regel im Umgang mit der Polizei lautet immer: Halten Sie den Mund, außer Sie sind ohne Zweifel nur Zeuge in der Befragung.

Wenn Sie als Beteiligter die Aussage verweigern, darf man Ihnen das grundsätzlich nicht negativ auslegen. Dagegen kann man es zu Ihren Ungunsten auslegen, wenn Sie ein wenig, aber nicht alles, ausgesagt haben. Dieses Verhalten gilt jedoch nur gegenüber der Staatsanwaltschaft und der Polizei. Gegenüber der gegnerischen und Ihrer eigenen Versicherung dürfen Sie nicht aus Prinzip schweigen, Sie sind unter Umständen sogar verpflichtet, wahrheitsgemäße Angaben zum Unfallhergang zu machen. Das führt zwangsläufig zu Irritationen und Konflikten mit den am Ende stehenden Fragen: Was darf ich sagen? Was muss ich nicht sagen? Was soll ich sagen? Und kann die Polizei die Aussagen, die ich der Versicherung gegenüber gemacht habe, gegen mich verwenden?

Genau das ist der Grund, weshalb es sinnvoll ist, sich unmittelbar nach einem Unfall mit dem Rechtsanwalt seiner Wahl in Verbindung zu setzen. Er weiß, was Sie sagen sollen und was nicht, und er wird darauf achten, dass Sie sich nicht in Widersprüche verstricken. Gleichzeitig hilft er Ihnen, fehlerhafte Schuldeingeständnisse zu vermeiden.

Die besten Karten hat man in einem Schadensfall also eindeutig, wenn man sich anwaltlich vertreten lässt. Versicherungen haben bei der Abwicklung von Schäden immer zunächst das eigene Interesse im Auge und nicht das des Geschädigten. Dabei wird häufig übersehen, dass die gegnerische Versicherung auch die gegnerische Partei und nicht der Freund fürs Leben ist. Sie handeln ausschließlich im eigenen Interesse. Sie reguliert entstandene Schäden meist recht zügig, zumindest solange es sich um einen Blechschaden handelt. Der Geschädigte freut sich ob der schnellen Regulierung, nimmt den Schadensersatz an und verzichtet darauf, meist aus Unkenntnis, Ansprüche wie den Minderwert eines Fahrzeuges nach dem Unfall, Haushaltsführungsschäden oder einen Verdienstausfall geltend zu machen. Es ist also Vorsicht angesagt, wenn eine Versicherung die unkomplizierte und schnelle Schadensabwicklung anbietet.

Neuerdings bieten Versicherungen ihren Kunden eine ganz besondere Dienstleistung an: eine Telefon-Hotline für Geschädigte. Damit soll eine zügige Abwicklung von Unfallschäden erreicht werden, eine grundsätzlich zu begrüßende Verfahrensweise. Man muss jedoch immer im Auge behalten, dass Versicherungen Aktiengesellschaften mit Gewinnerwartung sind und keine Samariterverbände. Sie verfolgen mit dieser Strategie das Ziel, die Schadensregulierung möglichst in die eigenen Hände zu bekommen. Damit möchte man dann vermeiden, dass der Geschädigte einen Rechtsanwalt einschaltet. Gleichzeitig soll damit auch verhindert werden, dass der Geschädigte einen eigenen Sachverständigen beauftragt und eine Mietwagenfirma seiner Wahl in Anspruch nimmt. All diese Dinge liegen ganz sicher nicht mehr in Ihrem Interesse, sondern ausschließlich in dem der Versicherung.

Die Sachbearbeiter bei den Versicherungen beschäftigen sich den ganzen Tag mit der Abwicklung von Verkehrsunfällen, daher kennen sie sich damit auch bestens aus. Gleiches gilt für Bußgeldbehörden und Polizei, die sich alle auf ihre eigene Art und Weise im Bereich Verkehrsunfälle spezialisiert haben. Der Einzige, der nach dem Unfall erstens den Schaden und zweitens keine Ahnung hat, sind Sie!

Genau das ist einer der Gründe, weshalb Sie Anspruch auf einen Rechtsanwalt Ihrer Wahl haben, der für Waffengleichheit sorgt und Ihre Ansprüche durchsetzt. Für die dabei entstehenden Kosten muss der Unfallverursacher aufkommen. Das Prinzip der Waffengleichheit ist einer der tragenden Säulen eines jeden Rechtsstaates – verzichten Sie nicht ohne Not darauf.

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